Mein persönliches Wachstum

Für das Außen sind wir wohl komplett verrückt. Im Inneren sind wir so klar wie noch nie.

Wir haben uns eine alte Gärtnerei gekauft. Zusammen haben das Haus und die Gewächshäuser mehr als 180 Jahre auf dem Buckel – und das sieht man ihnen an. Es gilt zu erhalten, zu reparieren, neu instand zu setzen. Sieht aus wie eine mittelschwere Katastrophe mit Hang zum völligen Desaster.

Aber wir haben eine Vision und wir haben Ziele. Und es fügt sich alles zusammen. Während mein Mann sich mit Hingabe um das botanische Sprießen kümmert, stelle ich das menschliche Wachsen in den Fokus.

Seit wir die Idee der Gärtnerei verfolgt haben, sehe ich überall Wachstum. Und dass, obwohl sich die Gesellschaft, die Systeme und die Politik gerade gefühlt alle im Sturzflug befinden und nicht mal eine Wasserlandung in Sicht ist. Unsere Kinder wachsen. Mal langsam, mal schnell, mal auch nicht. Unsere Ideen wachsen, werden mal wilder, abstruser, mal kleiner, leiser. Beides bringt mich zum Lächeln, Schmunzeln, Lachen, Weinen. So viele Emotionen, so viel Gestaltungsmöglichkeiten im Großen und im Kleinen.

Mit der Gärtnerei ist auch mein persönliches Wachstum in ein Reifestadium gewechselt. Mir war klar, dass mir Erwachsenenbildung Spaß bringt und dass ich gern im Studium, in Weiterbildung oder Ausbildung unterwegs bin. Ich mag es, Wissen zu vermitteln und Neues zu teilen. Zu sehen, wie Begeisterung und Neugier in den Augen aufblitzen, wenn ein Punkt dabei war, der Interesse beim Gegenüber geweckt hat. So als wäre ein Funken übergesprungen, der das Feuer teilt. Jetzt fühlt es sich so an, als wäre der Samen, der noch im Winterschlaf versunken war, zum Leben erweckt. Und langsam sprießt die Leidenschaft und bricht durch die Oberfläche. Erst zart und langsam, aber schließlich entschlossen und stetig energisch. Einmal entsprungen suchen sich Pflanzen fast immer ihren Weg zum Licht und wachsen dabei. Ich glaube daran, dass dieses Verhalten auch bei uns Menschen so ist. Wir haben alles in uns, um über uns hinaus zu wachsen; wir tragen alle unseren Samen, der zu einer wirklich großen Pflanze heranwachsen kann. Und wir entscheiden, ob er bunte Blüten, nahrhaften Nektar oder auch stachelige Dornen hervorbringt. So vielfältig die Natur sich in ihrer Schönheit zeigt, so vielfältig können wir Menschen uns entwickeln. Das ist das Grundverständnis für mein Coaching. Ich glaube daran, dass wir alles in uns tragen und manchmal einfach nur einen Anstoß brauchen, eine kurze Rankhilfe sozusagen, oder vielleicht auch etwas mehr Licht im Dschungel des Alltags. Für mich beginnt dieses Jahr ein neues Wachstum. Ich werde am Ende des Jahres meine Ausbildung zum systemischen Coach beendet haben und schließe dann meine Weiterbildung zum Emotionscoach an. Lerncoaching wird dann der nächste Schritt sein, dazu durfte ich mich schon von den Impact Techniken von Branka Reznan inspirieren lassen.

Bei der Überlegung an wen ich mein Coaching-Angebot richte, kam erst einmal ein diffuses Bild zustande. Und vor allem Zweifel. Wer sollte ich sich denn in diesen Zeiten noch für ein kostspieliges Coaching entscheiden? Wer soll denn dafür Geld ausgeben, dass er eigentlich nichts Neues gesagt bekommt, sondern selbst arbeiten soll? Da kommt doch kein normaler Mensch drauf. Und Jemandem etwas einreden, was er nicht braucht – das geht für mich auch nicht.

Gleichzeitig sehe ich täglich die Herausforderungen, denen sich Alle gegenüberstehen. Familie, Pflege, Job, Ehrenamt, Engagement, Gesellschaft, Bildung, Politik – jeder einzelne Lebensbereich mit einem schier unendlichen Aufgabenspektrum und schnellen Forderungen. Die Welt wird gefühlt immer hektischer, voller, lauter, schriller, fordernder. Es wird nie weniger. Manchmal scheint es, als würde man in dieser Dynamik ertrinken. Dazu kommen die gut gemeinten Ratschläge zum Resilienzaufbau, zur Entschleunigung und Achtsamkeitskurse. Danke, dachte ich mir und klappte resigniert seufzend den Laptop zu oder legte das Handy weg. Geholfen hat mir nur Abstand. Abstand von einem Job, der mich krank gemacht hat. Abstand von einer Beziehung, die mich psychisch zerbrochen hat. Mein Mann und meine Familie haben mir geholfen Klarheit zu finden. Vor allem mein Mann hat mich unterstützt, überhaupt Zugang zu meinen Emotionen zu bekommen. In Verdrängung bin ich Meisterklasse, das hatte mir auch eine Gesprächstherapeutin während einer psychologischen Sprechstunde bestätigt. Mittlerweile habe ich Frieden gefunden. Und ich empfinde nach einer gefühlten Ewigkeit das erste Mal wirklich bewusst: Glück, Zufriedenheit, Dankbarkeit, Liebe. Wut, Trauer und Angst sind genauso starke Emotionen, die mich begleiten. Aber ich kann sie jetzt besser annehmen ohne sie in mir zu verschließen und mich selbst zu betäuben oder zu betrügen.

Ich bin überzeugt, dass das meine Grundlage für ein gutes Coaching ist. Meine Empathie, meine Erfahrung und meine Qualifikationen stellen für mich die Basis dar, um Andere in ihrem Wachstum zu unterstützen. Ich möchte Menschen in ihrer Transformation begleiten und zeigen, zu was sie selbst fähig sind. Wie Julia Schleidt glaube ich daran, dass Emotionen der Schlüssel zu uns selbst und unserem Wachsen sind. Sie bringen uns weiter, wenn wir sie bewusst wahrnehmen, zulassen und deren Energie nutzen.

Je klarer mir meine Vorstellung von mir selbst und meinem Coaching-Angebot wurden, desto mehr grenzte sich auch meine Zielgruppe ein. Ich möchte mit Einzelpersonen arbeiten, am ehesten mit Frauen, Jugendlichen oder Kindern (da Männer in der Regel eine etwas andere Kommunikation gewohnt sind, möchte ich mich in dem Bereich erst noch einmal weiter belesen und ausprobieren). Menschen, die spüren, dass sie momentan nicht weiterkommen. Menschen, die sich selbst (wieder) spüren wollen. Menschen, die auf der Suche sind und etwas Orientierung brauchen. Menschen, die in ihren Selbstzweifeln feststecken. Menschen, die Veränderung wollen (oder auch nicht). Menschen, die sich fragen, ob das schon wirklich alles im Leben war oder ist.

Dabei kann, darf und möchte ich jedoch nicht therapeutisch wirken. Ich bin nicht in der Lage Therapien, Diagnosen oder Anamnesen zu erstellen oder Krankheiten zu heilen. Dazu bin ich weder befugt noch befähigt, immerhin habe ich keinen medizinischen Hintergrund und vor allem gibt es dafür geschulte Expert:innen. Ich kann jedoch anregen und begleiten – und damit das kleine Samenkorn kontinuierlich mit den notwendigen Nährstoffen, Licht, Wärme und Wasser versorgen bis es bereit ist die Oberfläche zu durchbrechen.

Pflanzliches und Persönliches Wachstum haben für mich viele Gemeinsamkeiten. Beides braucht Wurzeln, die sich ausbreiten dürfen und Kraft aus ihrer nächsten Umgebung ziehen können. Je weitreichender und verzweigter die Wurzel, desto stabiler die Pflanze an der Oberfläche. Dabei können die Wurzeln ganz fein wie Haare sein oder auch so massiv wie Holz – wichtig ist, dass die Wurzel intakt ist. Die Wurzeln liegen jedoch in der Regel unter der Oberfläche und sind für das Außen unsichtbar. So ist es auch bei uns Menschen. Unsere Wurzeln können sich vielerorts widerspiegeln. In unseren Werten, unserer Heimat, unserer Familie, unserem Glauben, unseren Überzeugungen. Nichts davon ist für die Außenwelt sichtbar, aber all das hält uns im Idealfall stabil und lässt uns Wind und Wetter trotzen. Einige Pflanzen, wie bspw. Bambus, braucht fünf Jahre, um seine Wurzeln auszubilden. So lange ist an der Oberfläche nichts davon zu sehen. Man könnte also meinen, da passiert nichts. Dann auf einmal sprießt er empor. Mit solch einer Kraft und Geschwindigkeit, die die Welt zum Staunen bringt. Die Metapher zu uns Menschen ist wohl offensichtlich. Und genau deswegen gefällt sie mir auch so gut. Sie ist einfach, aber bedeutsam. Und sie entspricht meiner Auffassung eines „natürlichen Coachings“, dass die Menschen (wieder) zum Sprießen und zum Wachsen bringt. Jedes Wachstum hat seine eigene Geschwindigkeit und unterschiedliche Bedürfnisse. Es liegt alles in den Samenkörnern, es liegt alles in den Menschen selbst.

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